Die Reise • Reisebericht
vom 09.05.2009
Böblingen
Etappe: von Böblingen nach Fernpass - Österreich - Brenner - Gardasee

Einundzwanzigmillionen Kurbelwellenumdrehungen, vier Länder viele Berge.
.
Die Karre surrt die Sträßchen bergauf bergab. Die Augen genießen Natur, Berge, die Nähe zur Strasse. Gespannt bin ich unterwegs zum ersten Etappenziel, dem höchsten Punkt des Fernpasses in Österreich.

Es richt nach frischer Zweitaktluft.

Für einen Apeisten ist jede, im normalen Auto unter Nutzung der Autobahn in kürzerer Zeit zurückgelegte oftmals unbedeutende, Fahrt eine spannende Reise. Bei meiner Karre mit dem besonderem Flair der individuellen Neugestaltung des Interieurs.

Mit den Ohren ständig lauschend ob ein befremdliches Geräusch an Fahrzeug oder Motor Unheil ankündigt. In Gedanken sinnierend über jedes der teilweise grenzwertig geänderten Teile vom Motor sind so die Sinnesorgane rundum beschäftigt. Ausser den zum Tanken notwendigen Verschnaufern entsteht bei mir und dem Fahrzeug kein Bedürfnis nach weiteren Pausen.

Fahrn, ich will fahrn.

Mit Einbruch der Dämmerung ist es geschafft. Fernpass hoch, alles im 4. und 5. Gang mit mindestens 55km/h. S’ Motörle läuft geil.

Etwas ab von der Piste in Nasserreith ein dort einheimisches Lokal zum Essen, Beobachten, Lesen gefunden auch ein feines Gästehaus zur Übernachtung für die Karre und mich.

Etappe: von Nasserreith nach Innsbruck

unerwartete Hilfe

Auf dem Weg nach Italien ist Innsbruck nicht weit ab vom Weg und, da es mich dorthin demnächst voraussichtlich beruflich für einige Zeit fürt, vorab eine gute Gelegenheit zur Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Für die Karre ist die Fahrt ein Leichtes, größtenteils bergab und unter Vermeidung großer Strassen, zudem gemütliche Lese- und Faulenzerpause am Wildsee bei Mösern.

Tags drauf eine Bergtour zum Axamer Lizum. Mitten am Berg booooah Karre aus. Anhalten Anlasser betätigen, nix, kein Rängdeng. Also loslaufen und Warndreieck aufstellen. Wieder zurück, Vergaser spricht „Benzin vorhanden“, Polrad spricht „Verdichtung vorhanden“, Kerze spricht „kein Funke“. Kerzenstecker demontieren, Zündkabel - kein Funke. Ersatzteilkiste raus neue Zündeinheit – kein Funke.
Werkzeugkiste auf, Messgerät raus, Leitungen zu den Spulen messen; weißes Kabel gut, grünes Kabel gut, rotes Kabel einhundertmillionentausend Ohm!

Grübel, Kabelbruch?, hoffentlich nicht die Spule selbst, da kein Ersatz in der Ersatzteilkiste. Hier Reparieren mitten am Berg, einer schmalen wenig übersichtlichen Strasse, zu gefährlich, Mist. Schweren Herzens Handy raus, und Nummer der ADAC Auslandshilfe.

„Hallo“ spricht mich ein lieber Mensch an, welcher mit seinem Auto wenige Meter vor meiner Karre gehalten hat. Kann ich ihnen helfen?“ „Ja, abschleppen zu einem Parkplatz währe klasse, eventuell kann ich die Karre dort selbst reparieren“. „Da helfe ich Ihnen gerne haben sie ein Abschleppseil“. Nein, man, an vieles gedacht aber nicht an... . Er hat auch keines, wir fahren in seinem Auto zwei Tankstellen an, vergebens. „Das ist nicht schlimm, ich wohne im übernächsten Ort, zu Hause habe ich eines“

Nach erfolgreicher Schlepptour zur nächsten Parkbucht an die Arbeit gemacht. Verkleidung ab, Polrad runter ... bis die Spulen frei liegen. Der Fehler findet sich schnell, er ist Folge einer früheren Beschädigung, als Öl wegen eines defekten Kurbelwellensimmerings an die Spulen gelangte. Damals alles gut gereinigt, denkste. Hinter der Isolierbandabdeckung der Spule waren noch Ölreste, welche nun einige Zeit später die Klebestelle am Übergang von roter Leitung zum Spulendraht anlösten und als Folge der Draht abvibrierte.

Gereinigt, gelötet, neu geklebt und Verbunden, zusätzlicher Kabelbinder, alles wieder zusammengebaut, Zündschlüssel angetippt, läuft! Der supernette Abschlepper und Gaslötmaschinenverleiher hat bis zur erfolgreichen Reparatur gewartet. So musste ich nicht das eigene Scheißendreck 12Volt Löteisen auspacken und hatte feine Unterhaltung, ausserdem das Gefühl das im Fall der Fälle weitere Hilfe möglich währe. Vielen Dank – und ich weiß nicht mal mehr den Namen.

Etappe: Via Brennerpass nach Limone am Gardasee

Mit 5 Litern Durchschnittsverbrauch und fettem Sound.

Innsbruck gerade erst verlassen ein mächtiges Grenzplakat „Tirol ist nicht Italien“.

Weitere, oft am Wegrand aufgestelltes Schilder tragen den Text, bere responsabile „trinken mit Maß“ Trotz mannigfachem Hinweis, die Karre zeigt sich davon unbeeindruckt. Der Durchschnittsverbrauch mit Beladung für Bergfahrten geht Richtung 5 Liter,
auf fünfzig Kilometer, und flotter Fahrweise.

Steigungen laut Hinweistafel 12 – 15 %. Hier ist dann streckenweise Tempo 40 im Dritten angesagt. Nur für kurze Wegstrecken und dabei das Gaspedal gefühlt nur eine Schuhsole breit getreten. Danach geht’s wieder flott. Zwischen ehrlichen 75-80 gehe ich auf ebener gerader Strecke vom Gas. Meist ist es jedoch kurvenreich. Auch als knapp 1400 Meter Höhenmeter erreicht werden ist keine andere Bedüsung des Vergasers nötig. Alles klingt gut und relaxt.

Nebenstrassen und Sträßchen, oft parallel zur Bahn, schön. Das Navi meines Vertrauens zeigt sich überfordert, schickt mich auf Radwege, überlegt sich plötzlich die Strecke neu zu berechnen und dabei die angezeigte Fahrtzeit bis zu einer Stunde zu verlängern. Das führt zu vielen interessanten Irrwegelchen.

Thommi Mielke hat mir für die Reise etliche CD’s aufgenommen. Jetzt ist es an der Zeit sie auszupacken, die Geschwindigkeit zu reduzieren um den Sound des Motors mit highfidelem leichter zu übertönen, So komme ich erst am späten Abend, gefahrenen 396km und durchaus zu Müde für eine ausgiebige Übernachtungssuche an, also ab in ein Hotel. Dem Navi (Garmin) traue ich ab sofort nicht mehr.

Hier ist es ist nochmals etwas südlicher, wärmer, jedoch sind um diese Jahreszeit noch keine Grillen zu hören. Der Rest des Abends ist Geckos beobachten, Lesen, Schorle von teurem Wein dann schlafe ich ein.


Schrauberpause

Gardasee, Ledrosee, Idrosee, die umliegenden Berge. Es sind meist nur wenige Reisekilometer welche die gutbesuchten Touristenziele von ruhigeren Gefilden trennt. Touren und Stopps in den Italienischen Alpen, fein. Daher nicht unbedingt von Nachteil das mein Aufenthalt hier etwas länger als geplant...

Vorgesehene Inspektionsintervalle für aktuelle PKW’s überschreiten oft 30tkm. Bei einem teilweise grenzwertig verändertem Dreirad tut man gut diese deutlich zu reduzieren. Getan und fündig geworden. Daher ein länger Aufenthalt und tief verölte Schrauberhände.

Fast alles gut, jedoch einer der drei Halter für den Dynastarters am Motor, genauer am Differenzialgehäuse, ist gebrochen. Eine solche Beschädigung ist mir bisher noch unbekannt und die Ursache bleibt zunächst ungeklärt.

Die Karre sorgt selbst in Italien für Aufmerksamkeit. Während der Inspektion und Notreparatur des Halters mittels kräftiger Kabelbinder vergeht kaum ein längerer Zeitraum wo nicht jemand guckt, kommt fragt ob und wie von wo und was ... Nach einen halben Tag habe ich zahlreiche Adressen von Mechanicos für Apes. Der entscheidende Tipp kommt jedoch am Abend von einem Mitarbeiter des Hotels, der Sohn seines Bruders .....

Dieser Tipp war super. Eine Kleine Werkstatt welche Vater, Sohn und für einige Tage auch mich beherbergte. Dann war es gelungen ein fast baugleiches Gehäuse mit intaktem Dynahalter für mein modifiziertes Getriebe zu implementieren.

Es brauchte Fantasie, für Dreh- und Fräsarbeiten ist die Werkstatt nicht gedacht, jedoch mit Flex anderen unüblichen Hilfswerkzeugen sowie viel Geduld. Außerdem durfte ich mich in der Werkstatt quasi wie zu Hause fühlen. Alles für fast kein Geld, meine Notlage wurde null ausgenützt im Gegenteil, einzige Bitte war ein Foto der Mechanicos zusammen mit der Karre. Das natürlich gern.

Tagestouren

Die erste erste Gang Strasse gefunden, eher ein Weg. Vorbei an ein paar Wanderern, eher ob der Steigung, gequält dreinschauende Bergsteiger.

Touren durch die Berge, Sonnenschein und knapp 30 Grad, ideal. Rauf, runter, unzählige Kehrtwenden, an schöne Plätzen rasten, lesen, sinnieren. Ab und an die Füsse im kühlen Bächen baumeln lassen. Es richt gut nach Frühling, anders als vom Schwabenland gewöhnt, nicht nach gemähter Wiese oder Getreidefeld, sondern frische Bergluft.

So vergeht schnell eine Woche, mit vielen genusvollen Tagen. Jedoch es ist an der Zeit zur Weiterreise.


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 Kommentare und Fragen von Besuchern:
wie
     von: olandese volante - vom: 26.03.2010 [neu]
Du bist ja schon wech...
     von: Tom - vom: 06.07.2009 [beantwortet]
Wir wollen News
     von: Stefan Becker - vom: 01.07.2009 [beantwortet]
Gute Fahrt
     von: mani höfer köln - vom: 25.06.2009 [beantwortet]
sehr gut!
     von: a - vom: 11.06.2009 [gelesen]
Klasse
     von: Rex - vom: 08.06.2009 [gelesen]
Hey, doch unterwegs! Klasse!
     von: Stefan - vom: 26.05.2009 [beantwortet]
ok
     von: ate - vom: 15.05.2009 [beantwortet]
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     von: us - vom: 23.04.2009 [gelesen]
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